Überwindung der Kenntnis / Zu den Arbeiten von Elisabeth Plank

Elisabeth Planks Ausstellung „Expansive Formulierungen“ / Kulturzentrum Meierhof Schwertberg / Eröffnungrede 16.5.2014

„Das Wissen muss also begleitet sein von einem ebenso großen Vermögen, das Wissen zu vergessen. Das Nicht-Wissen ist keine Unkenntnis, sondern die schwierige Leistung des Überwindens der Kenntnis. Nur um diesen Preis ist ein Werk in jedem Augenblick ein reiner Beginn und seine Ausübung eine Schaffung von Freiheit.“ Der französische Poet Jean Lescure (1912 – 2005) in seiner Monografie zum Oeuvre des französischen Malers Charles Lapicque (1898-1988). Paris, Editions Galanis (1956).

Elisabeth Planks Bilder, die sie hier in dieser Ausstellung zeigt, sie spiegeln in der Tat eine Herangehensweise, die sich einem Zustand der Überwindung eines Wissens, aber auch der Überwindung des eigenen zielgerichteten Wollens, des eigenen Egos verdankt. Bezieht Lescure seine Gedanken in erster Linie auf die Position des Schaffenden, des Malenden, so möchte ich diese Gedanken kurz auf jene der Betrachtenden ausdehnen, der oder die ebenso überwinden müssen, was sie zu wissen glauben. Für viele – und ich nehme mich da nicht aus, ganz im Gegenteil bin ich als „professionelle Betrachterin“ eine, die sich ja selbst stets dabei zusieht, wie sie schon beim Betrachten verwertet, aufdröselt, vergleicht – ist es ebenso schwierig, sich Werken im Zustand der Überwindung von Kenntnis und Wissen zu nähern. Wer sich dem Gedanken aber öffnet, dem zeigt sich jener „zwischen fixen Zuständen flirrende“ Möglichkeitsraum, den Elisabeth Plank hier erzeugt.
Als ich den Raum zum ersten Mal betratet, vor wenigen Tagen, um mir „ein Bild“ zu machen, da trat ich in einen sehr leichten, sehr offenen, sehr fröhlichen Raum. Als erstes fiel der Blick auf die beiden großformatigen Bilder, denen Elisabeth Plank die Titel Skizze 1 und Skizze 2 gibt – darauf verdichten, spielen, entfernen sich die gezogenen Linien, sind als Flächen sich selbst Schatten oder formen sich zu Objekten, lösen sich wieder auf – tänzeln, flirren eben. Die Bilder sind keine Statements, keine Behauptungen, sie bedingen vielmehr eine Form von positiv zu bewertender Leere, die eben einer Fülle folgt.
Leer sein: ein Zustand, der in einer Gegenwart, die uns mit Wissen, mit Assoziationen, mit Omnipräsenz und ebenso allgegenwärtigen Möglichkeiten (wem dem, der sie nicht nützt… nützen kann…!) vollstopft und zu überfordern scheint – nur mehr selten zu erreichen ist und doch umso mehr ersehnt wird. Elisabeth Plank erlaubt sich diesen Zustand nicht nur, sie sucht und findet ihn, um zu ihren Bildern, zu ihren Ausformungen – zu ihren Formulierungen – zu kommen.
Expansive Formulierungen – ein Titel, der in sich schon eine Bewegung oder auch Unschärfe, jedenfalls keine scharfe Abgrenzung trägt – sondern eben etwas Ausgedehntes, sich Ausdehnendes, Überbordendes, und dennoch Geleitetes, nicht Zufälliges. Eine Unschärfe, mit deren Anziehungskraft die Künstlerin operiert – etwa auf den Bildern die hier unter dem Titel „Zustand 1 – 3“ hängen. Die leichte Unschärfe steht auch hier für Bewegung, der Zustand wird höchstens zur Momentaufnahme, keinesfalls aber besteht er auf plumpe Gültigkeit.
Auch die „Vorformen“ schließlich an den beiden Stirnseiten stellt Elisabeth Plank ganz offensichtlich nicht an den Beginn einer Behauptung, vielmehr erweitert sie einen semiotischen Möglichkeitsraum, dehnt Grenzen der Gestik aus, expandiert im wahrsten Wortsinn.
In dieser Überwindung eben nicht nur des Wissens sondern ihrer eigenen Malerinnenpersönlichkeit entwickelt Elisabeth Plank also eben jene Kraft und Dynamik, die es braucht, um Bilder in dieser Dimension und Dichte zu schaffen. Und gleichzeitig eine Atmosphäre einer Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit zu erzeugen.

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