Ein Sammler, der haut nichts weg – Der Unternehmer und Kunstsammler Heinz J. Angerlehner

Interview anläßlich der Eröffnung des Museums Angerlehner in Thalheim bei Wels mit dem Unternehmer und Sammler Heinz J. Angerlehner

Teil eines Kunstwerks ist er bereits: Irene Andessner hat ihn in einem Tableau Vivant aus der Serie „Art Protectors“ als Mäzen gebannt – mit skeptischem Blick überreicht er darauf eine Kreditkarte. Der Unternehmer und Kunstsammler Heinz J. Angerlehner hat es gerne ordentlich, wie er Wiltrud Hackl erzählt. Die Möglichkeit, seine Sammlung zu ordnen hat er sich mit seinem neu errichteten Museum in Thalheim bei Wels nun in fast überbordendem Ausmaß geschaffen.

Sie stecken mitten in den Vorbereitungen zur Eröffnung, wer hat denn nun zugesagt?

Angerlehner: Es kommen alle, der Bundespräsident, alle. Ich musste viele schon wieder ausladen, wir können ja keine 1000 Menschen im Haus unterbringe.

Wieviel ihrer Zeit hat denn der Bau in Anspruch genommen?

Angerlehner: Naja, ich habe mich in der letzten Zeit sehr viel um das Museum gekümmert. Die letzten drei Jahre muss man sagen. Seit der Ausschreibung des anonymen Architektenwettbewerbs. Eigentlich ist alles relativ schnell gegangen. Ich war aber auch dahinter wie der Teufel. Ich bin halt ein sehr genauer Mensch. Ich habe natürlich mit geplant, das war nichts so dass ich sag: plant das und dann bekomme ich den Schlüssel und dann sperren wir auf. So geht’s nicht. Denn ich bin ja mit Leib und Seele Sammler und freue mich dass meine Kunst jetzt eine Heimat gefunden hat.

Und ein Schaulager beachtlichen Ausmaßes. Hinter Glas und gleich neben dem Eingang, war das auch ihre Idee?

Angerlehner: Immer, das war immer meine Idee, ich wollte so ein Schaulager in der gesamten Länge, schön zum Ausziehen, so dass man die Leute neugierig macht.

Das ist aber auch ein Statement. Heißt das, man darf durchaus zeigen, was man hat?

Angerlehner: Man kann zeigen, was man hat. Aber wir beabsichtigen ja nicht, Besucher ins Schaulager zu lassen. Darum ist alles hinter Glas. Ein Blick auf die Sammlung eben. Welchen Eindruck haben Sie eigentlich vom Haus, ganz ehrlich?

Ich mag die Eleganz des Gebäudes und ich finde einen anderen Blick auch sehr schön: auf ein Fenster an der dem Eingang gegenüberliegenden Seite, das in die Au hinter dem Museum weist.

Angerlehner: Ja, das ist wie ein Bild, nicht wahr? Ich musste ein Grundstück und ein Haus kaufen, um die Zugänge über die Traun und einen Bach zum Museum möglich zu machen – da machte ein Nachbar Probleme. Sie können sich nicht vorstellen, wie viel Geld ich in die Hand nehmen musste, um das so zu gestalten, dass es schön ausschaut. Das hat so wild ausgeschaut. jetzt ist es ordentlicher. Ich lass den Zaun noch reparieren.

Zuviel Wildheit sollte bei ihnen also nicht herrschen?

Angerlehner: Na, Wildheit…, es muss trotzdem seine Ordnung haben. Die Künstler können schon wild sein. Am Kunstwerk, Sie verstehen? Wenn wir einmal eine Sommerakademie oder etwas Ähnliches machen werden, dann können die Künstler schon wild sein, beim Arbeiten. Trotzdem muss danach wieder zusammengeräumt sein.

Wie haben sie eigentlich ihre Sammlung zusammengetragen. Sie haben einen bestimmten Ruf unter Künstlern, da geht manchmal ein Raunen durch Messen oder Ausstellungen, es heißt: Der Angerlehner ist da. Sie sind bekannt dafür, dass sie kauffreudig sind.

Angerlehner: Ich habe schon Künstler auch unterstützt. Es gibt ja auch hervorragende junge Künstler, die sind so gut und die würden sonst in der Versenkung verschwinden. Aus diesem Grund hab ich immer Junge favorisiert. Die alten Guten die kennt man eh – Prachensky, Hollegher und so weiter – die hab ich natürlich auch in der Sammlung.

Sie kaufen auch viele frühe Werke dieser „alten Guten“.

Angerlehner: Das war mir immer wichtig: zu sehen, wie die Arrivierten früher gearbeitet haben. Ich sag immer: zeig mir, was hast du vor 20 Jahren gemacht. ich möchte keine Momentaufnahme, ich möchte sehen, wie die Künstler sich entwickelt haben. Wie sie ihre Authentizität erlangt haben. Die Erkennbarkeit. Warum sie sich von den anderen abheben, wies dazu gekommen ist. Mir gefällt, das hat, wenn sich einer abhebt.

Und da gehen sie ins Atelier und sagen: das gefällt mir oder das gefällt mir nicht?

Angerlehner: Schauen sie, ich hab das irgendwie im Blut und im Gefühl. So wie ich als Unternehmer agiert hab: auch da hab ich oft einschätzen müssen, ob ich dem Kunden trauen darf. Es sind viele Faktoren – sowohl in der Kunst als auch im Geschäft, mein Gespür als Unternehmer hab ich bewiesen. (Es gibt jetzt vier Hauptgeschäftsführer, und ich hoffe dass die das Unternehmen erfolgreich weiterführen. Ich habe einen guten Grundstein gelegt, hab ein international erfolgreiches Unternehmen aufgebaut. Aber es wird schwieriger, auch was die Mitarbeiter betrifft: die Menschen hier sind so satt, der Wohlstand in Mitteleuropa ist so groß, keiner will mehr aus Österreich hinaus, es fehlt die Flexibilität.

Sind sie ein Mäzen?

Angerlehner: Nein, der Begriff gefällt mir überhaupt nicht. Ich bin nicht der Typ. Ich mag auch die Fragen nicht danach, wie viele Kunstwerke ich hab. Ich will nicht prahlen und sagen so und so viele Bilder hab ich. Ich sag immer: mehr als 1.000, weniger als 5.000. Ich werde auch immer gefragt, wie viele Millionen das Ganze gekostet hat. Da sag ich immer, ja ein paar Millionen hat das schon gekostet.

Selbst als Künstler wollten sie nie tätig sein?

Angerlehner: Ich hatte nie die Zeit dazu. Als 70jähriger fang ich auch nicht mehr damit an. Wenn das Museum eröffnet ist, möchte ich auch ein wenig Zeit für mich finden, den Stress hält man ja nicht ewig aus. Wir haben einen Freundeskreis gegründet, man braucht auch Unterstützung. Ich hab ja mein Privatgeld und meine Zeit investiert. Das sind 12 Stunden Tage, auch an Samstagen und Sonntagen bin ich im Büro. Ich möchte ja alles ordentlich haben. Ich möchte aber auch nichts wegschmeißen. Das bedeutet, ich muss immer alles anschauen, und erst wenn es wirklich nicht mehr wichtig ist, dann tue ich es weg. Ich kann nichts einfach so wegschmeißen. Ein Sammler, der haut nix weg. Und das bedeutet Arbeit.

Stimmt das, dass sie früher ganz gerne mit einem Glas Wein vor einem ihrer Bilder saßen und es in aller Ruhe betrachteten?

Angerlehner: Ich hab mir von einem Tischler einen Wagen machen lassen, da hab ich das Bild drauf gestellt und hab es ein wenig herum geschoben, dann hab mich hingesetzt und es mir angeschaut. Immer wieder. Das ist schon schön.

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