Katze zwischen Kunst und Banalität: Für die Ausstellung „Wunder Katze“ wird die Galerie der Stadt Wels zur Wunderkammer.

erschien gekürzt in Der Standard, Printausgabe, 11.7.2014

Günter Mayer, Leiter der Galerie der Stadt Wels und bei dieser Ausstellung auch Kurator, macht es sich nicht gerade leicht: Die „Katze“ bietet als Thema einer nicht nur mit zeitgenössischer Kunst bestückten Ausstellung eher zu viel als zu wenig an Objekten und Referenzen. Mayer gelingt es dennoch, einen roten Faden durch dieses Panoptikum zu spannen: Formal höchst unterschiedliche Objekte (neben Positionen der zeitgenössischen Kunst sind etwa alte Kinderbücher, Skurriles aus dem Stadtarchiv und ein ausgestopfter Löwe zu sehen) werden in dieser Sonderausstellung zu einer amüsanten Geschichte durch die unterschiedlichsten Aspekte, die Katzen im Menschenleben einnehmen. Und eines vorneweg: Der Katzenhype ist keine Erfindung von Facebook & Co.
Cat sells: Den Beginn macht eine Monitorwand, auf der Ausschnitte von bekannten TV-Katzen bis hin zu Katzen als Testimonials zu finden sind: ein deutscher Autohersteller etwa meint, eine Katze verstärke die Werbebotschaft hinsichtlich des aerodynamischen Designs seines neuen Modells.
Zwischen Niedlichkeit und Autarkie: wie Katzen es schaffen, gleichzeitig süß und völlig selbstständig zu sein, bleibt ein Rätsel. Menschen trauen ihnen jedenfalls fast alles zu: von Weltherrschaft bis Zenbuddhismus reichen die Zuschreibungen. Anna Jermolaewa portraitierte jedenfalls einige Katzen, deren Vorfahren jedenfalls seit 250 Jahren die Eremitage in St.Petersburg wenn schon nicht beherrschen, so doch maßgeblich prägen. Sie fotografierte 40 dieser berühmten Katzen, und gibt mit der Art und Weise der Hängung – von der Künstlerin strikt vorgegeben – auch ein Statement zu den Themen Masse und Hierarchie ab.
Ein Print aus der Fotoserie Best left at home with friends ist eine Arbeit von Iris Andraschek, die den Titel einem Gedicht des englischen Lyrikers Wilfried Owen entlehnt. Owen, der 25jährig im 1. Weltkrieg getötet wurde, schrieb darin übersetzt „Soldaten hätten wohl eine Seele, aber die sei im Krieg am besten zuhause mit Freunden aufgehoben“. Andraschek zeigt zwei junge Frauen mit weißem Kätzchen, auf die Haut der Frauen sind in blauer Schrift Owens Kriegserfahrungen geschrieben. Die vorgebliche Niedlichkeit eines Kätzchens, die sich ebenso schnell in Schaurigkeit wandeln kann, thematisiert auch Stefanie Rothmeier in ihrem wunderschönen Schattenspieltheater, das mitten in den Ausstellungsraum gesetzt wurde. Die Katze als Alter Ego: In einigen Kurzfilmen machte der französische Filmemacher Chris Marker (1921 – 2012) Tiere und vor allem seine Katze Guillaume-en-Egypte zu einem Alter Ego. In Chat écoutant la musique (1990) räkelt sich Markers Katze in dessen Filmstudio zwischen Tasten und Tongeräten und spitzt im Rhythmus der Musik die Ohren. Neben diesen Beispielen aus zeitgenössischer Kunst zeigt die Ausstellung Arbeiten aus dem Bereich Karikatur und Illustration: Manfred Deix, Ruudi Klein, Beck oder etwa Rudi Hurzlmeier. Und dann sind da noch die Privatkatzen, natürlich. Ausdrücklich erwünscht waren Beiträge von Privatpersonen. 120 Fotos, Plastik- und Porzellankatzen, Katzengeschichten und vieles mehr fanden sich in er Galerie der Stadt Wels ein. Schönes, Scheußliches, Kitschiges und Absurdes – ein Spiegelbild dessen, was Katzen für Menschen bedeuten.

bis 12.10.2014
http://www.galeriederstadtwels.at

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