Es plätschert die Kalauerkaskade – Zu Gerhard Haderers Inszenierung seines „Herrn Novak“ am Linzer Theater Phönix

In den MOFF-Heftchen ist Herr Novak eine Kultfigur. Er verkörpert dort das Klischee vom Beamten, das lieber Pausen macht als Akten bearbeitet und sich freimütig zu kleinmütigen Kommentaren hinreißen läßt. „Liebevoll“ ist er dabei niemals, auch wenn ihm der Zeichner oberösterreichische Dialekt-Sprachschätze („Nulsuppn“) in den Mund legt. Er bleibt eben in seiner Normalität angsteinflößend.

Figuren wie „Herr Novak“ sind Stellvertreter. Sie nehmen auf, verdauen und entleeren sich schließlich öffentlich und in Vertretung all derer, denen „das Lachen im Hals stecken bleibt“ – was nicht bedeutet, dass sie nicht dennoch gerne und laut über Sachverhalte lachen, die alles andere als komisch sind. Diese Figuren müssen übertrieben beschrieben sein, überspitzt, opportunistisch, latent rassistisch und sexistisch, unempathisch und selbstmitleidig – also all das verkörpern, was die Zuseher an sich fürchten und nicht wahrhaben wollen, wenn sie am Morgen in den Spiegel blicken oder sich beim Denken ertappen. Dafür gibt es in Österreich Figuren wie den Herrn Novak. Damit man ihnen die unangenehmen Eigenschaften, für die man sich lieber schämt als dass man sie ehrlich bespricht, aufbürden und über sie lachen kann. Denn, so der gehätschelte Trugschluß – über den ich lache, des‘ Eigenschaften ich nicht teile. Falsch gedacht, viel gelacht. So jedenfalls erklären sich eruptiven Brüller im Publikum, mit denen einmal mehr Witze über Kurt Waldheim oder H.C. Strache („des is der Chef von de Freiheitlichen, der Jörg Haider also“) quittiert werden. Nun gibt es diesen Herrn Novak auch auf der Bühne, verkörpert wird er von Ferry Öllinger. Diese Theaterfassung hat Gerhard Haderer nach seinem eben erschienenen Buch „Der Herr Novak“ entwickelt, Haderer ist auch für Regie und Bühnenbild verantwortlich. Viel, was sich ein Einzelner hier aufbürdet, ein Versuch, der leider zu Lasten von schlüssiger Dramaturgie geht. das Stück entwickelt sich nicht, sondern bleibt eine Aneinanderreihung unterschiedlicher Szenen und Erinnerungen, die Herrn Novak ereilen, während er im Caféhaus sitzt: etwa an Karl Schranz und Sapporo als Inbegriffe von Demütigung einer österreichischen Seele, oder eben an Waldheim (dessen Neffe Herr Novak ist) und Arigona Zogaj. Karl Heinz Grasser verlässt die Toilette, als Herr Novak diese betreten will und ihn ob seiner schönen Haare glatt für Fiona Swarovski hält: es sind nicht unbedingt die aktuellsten oder subtilsten Anspielungen und Spitzen, die Haderer mit seinem Herrn Novak abfeuert.
Schauspieler Ferry Öllinger allerdings ist unbestritten ganz groß in dieser 60minütigen Kalauerkaskade und sorgt für die guten Momente: wunderbar komisch und entlarvend etwa gibt er Fendrichs identitätsheischendes „I am from Austria“ samt Luftgitarre und Schnulzenblick.

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