Wir sind sichtbar!

Rede (eine von vielen) zur Präsentation des Linzer Frauenberichts am 28.6.2019 Foto: Violetta Wakolbinger

Jetzt steh ich also hier – auf dieser Leiter, höher geht’s nicht rauf – und von unten, da sägen schon wieder einige. – so viele Beine kann ein Stuhl oder eben eine Leiter gar nicht haben, wie Männer dran sägen, sobald eine Frau drauf sitzt.

Kaum, dass eine von uns Platz genommen hat, sich eingearbeitet hat, – setzt sie bei manchen männlichen Mitmenschen ein, die große Panik. Alert! Kontrollverlust! Sie tut, was sie für richtig hält! Sie entscheidet selbst! Sie spricht! Und was sie sagt, sind ihre eigenen Gedanken, ist ihre eigene Meinung! Sie lächelt zu wenig! Sie ist nicht erpressbar, sie hat keine Angst um ihren Job! Zu Hilfe.

Da muss eingeschritten werden. Natürlich nicht offen und ins Gesicht, nein, das wäre ja viel zu einfach und zu ehrlich. Nein, es wird entschieden, und zwar dort, wo Männer immer entschieden haben – in Hinterzimmern, in Vorständen, an Clubabenden, auf Geburtstagspartys.

Die Geschichte beginnt oft wie ein schlechter Witz: Treffen sich ein Bankdirektor, ein Bürgermeister und ein Tageszeitungschef auf einer Geburtstagsfeier und sprechen über die Zukunft einer Linzer Museumsdirektorin….

Naja, für die Museumsdirektorin ist es in diesem Fall bedeutend besser ausgegangen als für die drei Männer, Frauen entwickeln ja notgedrungen eine gewisse Gelassenheit in solchen Dingen, und: time is on our Side.

Medien spielen dabei eine wichtige Rolle – denn sie entscheiden über Sichtbarkeit und Hörbarkeit. Wenn aber auch dort die Führungspositionen in erster Linie mit Männern besetzt sind – 2 von 21 Chefredakteuren österreichischer Tages- und Wochenzeitungen sind weiblich, ganze 2 – dann kann man sich ausrechnen, welchen Stellenwert die Präsenz und Sichtbarkeit weiblicher Führungskräfte aus anderen Branchen dort innehat. Einmal im Jahr halt am 8. März gibt’s Portraits, wird von Frauenpower gesprochen, als wäre weibliche Führungsqualität ein Energydrink. Frauen werden also auch in – zumindest kommerziellen, etablierten – Medien eher totgeschwiegen. ihre Inhalte, ihre Beiträge, ihre Expertise, ihre Arbeit, ihre Namen – was nicht genehm ist und nicht dem Klischee entspricht, wird nicht erwähnt. Solange noch ein Mann anwesend ist, ob bei einer Pressekonferenz, auf einer Bühne, bei einer Sitzung oder wo auch immer, wird eher er erwähnt und zitiert, ganz egal was genau sein Beitrag war.

Was überrascht, ist die Rohheit, die Plumpheit, die geringe Eleganz, mit der hier Männer an Frauenkarrieren sägen. Es ist die schiere Angst, die sie zu treiben scheint – Angst davor, nichts mehr zu sagen zu haben, Angst davor, nicht mehr gefragt zu werden, nicht mehr auf die wichtigen Partys, in die richtigen Hinterzimmer und die wirklich bedeutenden Clubs eingeladen zu werden. Auf diese Angst aber werden wir keine Rücksicht mehr nehmen und sie ist im Grunde völlig unbegründet. Denn der Feminismus, den ich meine, die Führungsqualitäten, von denen ich spreche – die sind für alle da – unabhängig von Geschlecht – die bereit sind, ihre Machtspielchen aufzugeben, zu reflektieren, wohin uns dieses patriarchale, kapitalistische Ego gebracht hat und einzusehen, dass wir in Führungsverantwortung niemals für uns, unser eigenes Wohlergehen oder das unserer Kinder & Freunderl arbeiten. Sondern immer nur im Sinn einer gleichberechtigten Gesellschaft & Gemeinschaft. In diesem Sinne, Männer – es ist nie zu spät, Feminist zu werden! (und jetzt holt mich endlich jemand von der Leiter runter)

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