Premiere Kultur Karussell / central / Linz

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fotos: oö gfk

Auf dem „Kultur Karussell“ nehmen Menschen aus Kunst und Kultur Platz, um sich und ihre Institution der Öffentlichkeit zu präsentieren und zu diskutieren. Nicht in Form einer Podiumsdiskussion, sondern auf gleicher Ebene mit dem Publikum, das aus Expert_innen, Interessierten und Fragenden besteht. So wird im besten Fall eine inspirierende, demokratische Form der Diskussions- und Gesprächskultur etabliert. Im Jänner 2013 wurde die Idee geboren, am 27.5.2014 fand die Premiere mit Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) statt. Es war ausnehmend gut besucht, auch wenn nicht alle das Angebot zur offenen Diskussion wahrnahmen oder wahrnehmen konnten. Die Vorbereitung war gleichermassen einfach wie schwierig, da ich mir viele der Fallen, in die ich tappen konnte, ganz einfach selbst gebaut hatte. Schliesslich bin ich eine derjenigen, die diese Idee geboren, weiterentwickelt und schließlich umgesetzt haben. Das bedeutet: ich war gleichzeitig auch eine Lernende an meinen eigenen Fehlern, ich wollte eine bestimmte Idee umsetzen und musste live reagieren, wenn ich merkte, dass es nicht so funktionierte wie ich dachte. Ich weiss jetzt, was wir beim nächsten Mal anders machen können, und was wir adaptieren müssen. Ich freue mich auf kritische Feedbackrunden. Schließlich geht es darum, dass nicht immer die gleichen Menschen das Wort ergreifen, sondern viele sich ermutigt fühlen, sich zu Wort zu melden. Interesse über Beteiligung wecken. Oder einfach die Positionen umkehren: er als Gast solle doch das anwesende Publikum nützen, um Fragen an es zu richten. Um dazu zu lernen. Meinte etwa der Publizist und Kurator Martin Fritz zu Josef Ostermayer. So ganz klappte das an diesem Abend noch nicht. Wir arbeiten dran.
Veranstalterin ist die gfk OÖ, die oberösterreichische Gesellschaft für Kulturpolitik, im Herbst 2014 gibt es eine Fortsetzung zum Thema Stadtentwicklung.

TTIP – Privatisierung der Demokratie / 24.4.2014 / Wissensturm Linz

Am Podium: Madeleine Petrovic (Grüne), Gernot Almesberger (SPÖ), Gerald Spiess (ÖVP), Franz Obermayr (FPÖ), Martin Ehrenhauser (Europa anders), Alexandra Strickner (attac)

Auftraggeberin: attac Linz

Resumée

Thema/Inhalt

Extrem spannende Recherche. Das Thema ist einerseits emotional aufgeheizt – die Fakten, die auch sehr seriöse Medien liefern, sprechen andererseits eine eindeutige Sprache, die Fragen an die Diskutant_innen drängten sich nachgerade auf: *Kann man ein Papier unterzeichnen oder gutheißen, das so geheim verhandelt werden muss? Stellt dies demokratische Grundprinzipien in Frage? Warum wird es nicht im Parlament diskutiert? Warum verhandelt nur die Kommission?
Welche Personen für die USA und für Europa verhandeln, das herauszufinden, stellte übrigens sogar eine sehr geübte NGO in Brüssel – Corporate Europe – vor einige Hürden. Letztendlich aber erhielten die Aktivist_innen ein Dokument, das die Namen all jener auflistet, die TTIP aushandeln (Übrigens nicht von Seiten der EU, sondern von Seiten der USA). http://corporateeurope.org/sites/default/files/hlwg-members.pdf

Ablauf

So kurz vor den Wahlen zum europäischen Parlament war ich eigentlich sicher, dass ich die wahlkämpfenden Menschen am Podium kaum im Zaum halten werde können – siehe da, nichtsdergleichen. Die Diskussion verlief überraschend sachlich. Außer Martin Ehrenhauser, der sich wohl 24/7 im Wahlkampf befindet und u.a. einen selbstreferentiellen Grenzfall setzte und in Negation seiner selbst das Publikum dazu aufrief, Politikern zu misstrauen, war die Stimmung am Podium konzentriert und ernsthaft. Es schien einerseits, als werde das Thema TTIP über Parteigrenzen hinweg ernst genommen, andererseits gilt zu bedenken, dass etwa für die ÖVP mit Gerhard Spiess ein in dieser Causa wenig einflussreicher EU-Kandidat am Podium sass (Listenplatz 30). Und für die SPÖ nahm Gernot Almesberger am Podium Platz – er kandidiert allerdings nicht einmal für die EU-Wahl. Nachgeschmack: jene Parteien, die Einfluss auf den Prozess und den Abschluß der TTIP Verhandlungen haben, halten sich von öffentlichen Dikussionen (trotz mehrfacher Einladung, wie die Veranstalterin bestätigte) eher fern – eine Strategie, die zwar wahlkampftechnisch verständlich sein mag, demokratiepolitisch allerdings ebenso bedenklich ist wie der nachgewiesene Einfluss us-amerikanischer Firmen auf die TTIP-Verhandlungen.

Links

Die EU Kommission hat auf Kritik reagiert und veröffentlicht verstärkt zum Thema.
http://ec.europa.eu/trade/policy/in-focus/ttip/

weitere Links zum Thema:
http://wwww.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=42403″>
http://mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/431936_report-muenchen/18330246_geheimoperation-transatlantisches